Cd-Besprechung

Wilco - A ghost is born

Wilco

A ghost is born

Nonesuch (Warner Music)
  Vö: 21.06.2004

Bewertung:  9 Punkte
Leserwertung:  7.4 Punkte
Stimmenzahl: 68

Leicht machen es einem die mittlerweile auf sechs Mitglieder angewachsenen Amerikaner nicht. Komplizierte Arrangements, verwobene Sounds und abstrakte Vocals von Genius Jeff Tweedy beherrschen in bisher noch nie dagewesenem Ausmaß das neue Album. Dagegen war 'Yankee Hotel Foxtrott' ein wahres Partyalbum. Wieder einmal die komplette Begleitung ausgetausch, wieder einmal etwas Neues geschaffen. Aber Jeff Tweedy hat ein Talent dafür sich mit seiner Musik zu beschäftigen. Die Methode: Interesse wecken, den Spannungsbogen zum Zerbersten straff halten und schließlich Tabletten zur Beruhigung verteilen. Der Soundtrack zu den Migräneschüben des Sängers ist mit "Spiders (Kidsmoke)" dann auch noch vertreten. Der Song ist mit seinen monotonen Zügen und den damit verbundenen Längen das mit Abstand Nerven reizenste Lied der Geschichte. Aber Wilco besorgen im Anschluß gleich die Erholung mit den gefälligen Melodien von "Muzzle of Bees". Aber halt! Ausruhen kann man sich dabei nun auch nicht wirklich. Die Verschachtelung von Rhythmen und auf den vierten Blick komplexen Melodiebögen erzeugt schon wieder diese Assoziation zu "Wissenschaft und Musik". Hat man aber den ersten Teil des Albums geschafft und nicht unmotiviert aufgegeben erwarten einen noch einige positive Überraschungen. Im zweiten Teil von "A ghost is born" nämlich wird die Brücke zum Beginn des Albums gebaut. Alles ergibt nun schon eher einen Sinn. Fast könnte man den stillen Teufeln Konzept unterstellen. So nach dem Motto: Stellen wir die Welt doch einfach mal ein bischen auf die Probe. "Hummingbird" wirkt da plötzlich wieder vertrauter und greifbarer mit den freundlich, bedrohlichen Piano und der fröhlichen Viola. Doch halt, der Downtown-Dealer treibt sein Unwesen und hat seine "Handshake drugs" einstecken. Düster, mit treibenden Bässen kommt er näher. Dann kommt er wieder - der Wilco-Moment, an dem Zeit und Raum stillstehen. "Wishful thinking" erzählt, untermalt von zeitlosen Klängen, von der Erfüllung, der Liebe, der Hoffnung in der aussichtslosen Situation. Der Höhepunkt auf 'A ghost is born ist dann endlich erreicht, wenn der Refrain von "Company in my back" einsetzt. Gänsehaut! Intensiv geht auf eine andere Art ist auch "I´m a wheel". Treibend, fast schon rockend sorgt der Track für die Entkrampfung der Glieder, die zuvor immer noch gebannt auf den Gong im Kopf gewartet hatten. Der Groschen ist gefallen. In der Folge wird man gelöst den Rest des Albums geniessen können. Oder doch nicht? Mit "Less than you think" schaffen es Wilco tatsächlich für einen weiteren Krampf in den Gliedern zu sorgen. Gepiepse, Verzerrte Geräusche und das alles wieder in einer Länge, die die Nerven extrem überlastet.
Wer das Interesse an ungewöhnlicher Musik nicht verloren hat, entdecken will, was nur wenige entdecken werden, dann ist 'A ghost is born' genau das Richtige. Aber aufgepasst: Leicht machen es Wilco einem nicht ihre Musik voll zu erfassen. Und damit schließt sich der Kreis.

9 Punkte (von max. 15)

Benjamin Großmann21.07.2004

TRACKLIST
1.At least that's what you said
2.Hell is chrome
3.Spiders (Kidsmoke)
4.Muzzle of bees
5.Hummingbird
6.Handshake drugs
7.Wishful thinking
8.Company in my back
9.I'm a wheel
10.Theologians
11.Less than you think
12.The late greats
[ *** Anspieltipps ]

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