Cd-Besprechung

Grober Knüppel

Unbeugsam

Bandworm / New Music
  Vö: 15.10.2010

Bewertung:  11 Punkte
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ls ich „Unbeugsam“ das erste Mal in den Händen hielt, war ich ja doch ziemlich skeptisch. Bandname, Albumtitel sowie Covergestaltung (Booklet vorne: ein geflicktes Herz inmitten von kreisförmig aufgestellten Panzern; Backcover: 5 Gestalten in Mike Muir-Verschnitt) ließen die Wahrscheinlichkeit, dass aus dieser Kombination ein gelungenes Album hervorgehen kann, doch recht gering ausfallen.

Da sieht man mal, wie man sich täuschen kann. „Unbeugsam“ ist zwar sicherlich kein massenkompatibles Album, hat aber durchaus seine Qualitäten. Zumindest dann, wenn man sich nicht an den deutschsprachigen, „explicit language“-Lyrics stösst. Denn der Grobe Knüppel nimmt kein Blatt vor dem Mund und spricht eine deutliche Sprache, bei der Schöngeist nichts zu suchen hat, wie man an Textausschnitten wie „Und wenn ihr mein, es ist zu kalt, dass man hier leben kann, nehmt Streichholz und Benzin und macht das Feuer wieder an“, „Für die Karriere reingekrochen… ein Leben lang nach Arsch gerochen – rein, rein, rein - in braune Loch musst du rein – rein, rein, rein – das muss in Deutschland so sein“ unzweideutig merkt.

Die Message ist dabei klar: Grober Knüppel legen ihre Finger direkt in die Wunden der Gesellschaft und zeigen deutlich, was sie u.a. von den Regierenden halten („Wer Schützt Uns Vor Euch?“), setzten sich mit dem Thema soziale Kälte („Bleibt Stark“) auseinander und widmen selbst dem besten Stück des Mannes ein Lied („Das Rohr“). Letzteres wurde im Übrigen im Sommer vorab als 7“ veröffentlicht.

Musikalisch kann man bei diesen Texten keine Virtuosität erwarten, sondern eine song- und zweckdienliche Reduzierung auf das Wesentliche. Dabei glänzen Grober Knüppel jedoch mit einer stilistischen Vielfalt, die sich überwiegend aus Hardcore und Metal-Elementen, aber auch Hip Hop zusammensetzt. Auch wenn sich auf der zweiten Albumhälfte einige schwächere Songs („Ein Kleiner Arsch (Ist Schnell Geleckt)“, „Ein Gesicht“) einschleichen, schaffen es Grober Knüppel jedoch trotz aller musikalischer Reduziertheit, das Album interessant zu halten. Was umso erstaunlicher ist, da ich als Metalhead in der Regel mit anderen Stilen nicht so viel anfangen kann. Dabei haben sich insbesondere die beiden Anfangtracks „Mit Vollgas An Die Wand“ und „Rein, Rein, Rein“ als absolute Abräumer erwiesen.

In dieser Verfassung sind Grober Knüppel jedenfalls eine erstklassige Anlaufstelle nicht nur für geschmackssichere Hardcore-Fans und Metalheads, sondern nicht zuletzt auf Grund der textlichen Ausrichtung („Alle sind gleich – aber einige sind gleicher)“ auch Punks durchaus eine Versuchung wert.

11 Punkte (von max. 15)

Jürgen 16.10.2010

TRACKLIST
1. Mit Vollgas An Die Wand (***)
2. Rein, Rein, Rein (***)
3. Hart Sein
4. Das Rohr (***)
5. Wer Schützt Uns Vor Euch?
6. Ein Kleiner Arsch (Ist Schnell Geleckt)
7. Ich Halt Euch Fest
8. Ein gesicht
9. Bleibt Stark
10. Nein heisst Nein
11 Mit Gott Im Herzen Und Mit Dem Teufel Im Leib
12. Unter Geiern
[ *** Anspieltipps ]

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