Interview

Digger Barnes
Searching for Digger Barnes oder Wer zur Hölle ist eigentlich Digger Barnes!
Im Leipziger Conne Island spielte an diesem Samstag Chuck Ragan, der Ex-Hot Water Music Frontmann. Dementsprechend waren die Reihen gut gefüllt. Aber wer ist dieser ominöse Bassist, der auch schon als Vorband, herrlich düstere Country-Blues-Nummern vortrug. „Darf ich mich vorstellen“, sagt der Schnauzbärtige auf der Bühne: „My Name is Digger!“
Im gemütlichen Hamburger Slang empfängt mich Digger vor der Show: „Moin, schön das du da bist!“ Und der norddeutsche Dialekt wurde nicht umsonst in Umfragen als die sympathischste aller Dialekte gewürdigt. Also, wer ist eigentlich Digger Barnes: „Den Namen hab ich von meiner damaligen Band Butch Meier verpasst bekommen. Als ich dann recherchiert hab, dass die Figur aus der Serie Dallas stammt und er immer auf der Suche nach Öl und Gold ist, fand ich, dass das irgendwie passt“, erinnert sich der Hamburger, „das war wie ein Glückstreffer.“
Musikalisch ist Digger allerdings schon länger unterwegs. Angefangen hat alles mit der Crust-Band Jeniger. 2001 löste sich die Band auf. Digger machte mit Butch Meier Country, der eher auf sinnfreie Unterhaltung, als auf ernsthafte Texte setzte. Dort spielte Digger Kontrabass, schrieb aber nebenbei schon Songs. „Auch bei Jeniger hab ich viele der Songs geschrieben. Meist auch auf der Akustikgitarre, denn ich hatte nix anderes zu Hause“, erklärt Digger. Unter dem Namen Digger Barnes tourte er mit seinem Partner-in-Crime Pencil Quincy, der mit wundervoll-unheimlichen Visuals, die Shows zu einem Erlebnis macht, durch die deutsche Club-Szene. „Da gab es viele kleine nette Momente. Das waren ja wirklich kleine Clubs in denen wir gespielt haben. Diese private intime Stimmung, die dort erzeugt wurde, war klasse“, sagt der Hamburger und man spürt seine Begeisterung. Alleine mit der Gitarre erzählte Digger mit Trucker-Cap, Hemd und Workerpants im breiten Ami-Slang von seinen Erlebnissen auf der Straße. Die Figur Digger Barnes wirkte so authentisch, dass Zuschauer ihn nach der Show in Englisch ansprachen und fragten, wo er denn herkomme. „Selbst jetzt, wo ich die Ansagen schon auf Deutsch mache, passiert mir das noch. Gestern in Berlin zum Beispiel wollten welche wissen, wo ich denn nun wohne. Da fasst man sich an den Kopf.“ Die Show gehöre nun einmal dazu. Jeder der eine Bühne betrete, spiele doch etwas und sei Teil der großen Täuschung. Die Figur verschaffe ihm auch die nötige Freiheit in seiner Musik, die er sonst nicht hätte, ist sich Digger sicher.
Zur großen Täuschung des Digger Barnes gehörten auch die raren Veröffentlichungen. Bis auf ein Tape (Trailer-Tapes) und zwei Vinyl-Singles musste man schon ein Konzert besuchen um Diggers Musik zu lauschen. „Ja, ich hab mich lange davor gedrückt eine Platte aufzunehmen“, gibt Digger unverhohlen zu. Jetzt ist es endlich soweit: Time Has Come steht seit Freitag in den Plattenläden. Der Titel ist passend, denn die Zeit war wirklich reif. Im Gegensatz zu den intimen, instrumental limitierten Live-Gigs wird auf der Platte auf breite Instrumentierung gesetzt. „Letztlich sind es eben Songs, die sich so entwickeln. Wenn ich einen Song schreibe, habe ich gleich im Kopf was da noch alles passen würde. Soweit es ging hab ich alles alleine aufgenommen und dann meinen Kumpel Fred (Friedrich Paravicini, Produzent Anm.d.Verf.) dazu geholt“, erklärt Digger den Aufnahmeprozess.
Die Spannbreite der Songs ist sehr breit von Blues, Jazz, Gospel, Pop, Country und Rock findet sich alles in Diggers Songs wieder. „Ich will auch nicht in eine Nische gedrängt werden. Durch den Sound werden die Songs wie an einem roten Faden zusammengehalten.“ Die Klischee-Keule dreht Digger auch gerne um: „Ich mag es nicht, wenn sich alle festlegen und sagen, der Digger macht Johnny Cash-Country. Das stimmt nämlich überhaupt nicht. Deshalb entstand zum Beispiel One Trick Pony. Ich wollte einen typischen Country-Song schreiben mit Pferden und so weiter.“
Mittlerweile hat sich die Figur Digger Barnes gewandelt. Man kann sagen der junge Tramper aus dem Trailer ist gereift zu einem nachdenklichen Songwriter. Allerdings will der Hamburger im Frühjahr endlich wieder eine eigene Tour spielen. Dann auch wieder mit Pencil und den Visuals. Auch wenn man denken könnte, dass die großen Venues, die Ragan mit Leichtigkeit füllt, nicht zu Digger Barnes passen, ist das Leipziger Publikum diesen Abend begeistert.
frank fischmann, 15.09.2009
LINKS
Weitere Cd-Besprechungen und Stories
Leserkommentare
Zu diesem Interview wurde noch kein Kommentar geschrieben.
- Um einen Kommentar zu schreiben, musst du dich einloggen.
BIZARRE RADIO PRÄSENTIERT
Neue Beiträge im FORUM
- Der letzte und der erste Song des Jahres... 27.03.25, 21:23 // oliiiwaa889
- Pelicans Dyson Daniels Wounded 01.03.25, 22:32 // TamaraNWofford
- DieStimme - Die Maske fällt Maxi 05.02.25, 14:25 // vagofe
- Suche ähnliche Stimme wie.... 29.01.25, 17:28 // antiguans2
- eigene Handschrift deuten 29.01.25, 17:12 // antiguans2
- eure namen auf japanisch 29.01.25, 17:09 // antiguans2
- Geld 29.01.25, 17:07 // antiguans2
- Saufen für Profis 29.01.25, 17:04 // antiguans2
- What Manufacturer 29.01.25, 17:02 // antiguans2
- Proteste in Burma 14.12.24, 16:29 // duffytraciezs