Cd-Besprechung
Leserwertung: 14.0 Punkte
Stimmenzahl: 2
Es gibt Alben, in denen man sich verlieren kann, von denen man in gewissem Sinne auf einen Film geschickt wird. Solche Alben behütet man oft wie einen Schatz, weil es ihrer nun mal nicht so viele gibt. Mogwai oder Godspeed You Black Emperor etwa haben die Begabung, den Hörer zu entrücken, zeitweise vollkommen aus der Alltagswahrnehmung herauszureißen. Eine wundervolle Sache, die teilweise auch den Norwegern von Salvatore gelingt.
Filigrane, rein instrumentale Musik, die von der Grundstruktur eigentlich elektronisch angelegt ist, aber mit einer Vielzahl an „herkömmlichen“ Instrumenten angereichert wird. Wem diese knappe Beschreibung bereits ausreicht, hier das Verdikt der „gepflegten Langeweile“ auszusprechen, möge sich zurückhalten. Die Stärke von Salvatore ist es zwar sicher nicht, den Hörer mit einprägsamen Songs oder Melodien zu begeistern. An Experimentierfreude und Ideenreichtum sind sie aber gewiss nicht arm. Da wird dann schon mal nonchalant ein Radio durch den Verzerrer gejagt oder im knapp siebenminütigen „Fluxus“ eine stattliche Noisewelle losgetreten. Als Basis dient dabei stets ein interessanter psychedelischer und nie unorganisch klingender Beat, auf dem Salvatore ihre Klangexperimente aufbauen. Mal mit einer verfremdeten Stimme, mal mit deutlicher orientalischer Einfärbung („Roots & Weather“), mal mit abstrusen Samples. Einprägsame Percussion-Elemente wechseln sich ab mit Tendenzen zur Dissonanz. Langweilig ist nun wirklich was anderes.
Der Vergleich zu Mogwai etwa liegt nicht ganz fern, wenngleich Salvatore auf die extrem eruptiven Ausbrüche der Schotten verzichten, die Songs also im Vergleich etwas weniger Dynamik entfalten. Führt man sich aber die Momente Mogwais vor Augen, in denen sie den Hörer in vermeintlicher Sicherheit wiegen, so sind Salvatore nicht fern.
Klassische Songstrukturen sucht man auf „Luxus“ vergeblich. Daher ist dieses Album auch nichts für den spontanen Konsum. Hierfür braucht man Zeit und Muße, lehnt sich am besten zurück. Alles weitere geschieht dann von ganz allein. Salvatore nehmen Dich mit und bringen Dich nach 43 Minuten auch sicher wieder zurück. Mit Sicherheit besser als andere Drogen.
9 Punkte (von max. 15)
Martin Baum, 27.07.2004
TRACKLIST
1. Hefe ***
2. Brugata
3. Orval
4. In Gekko
5. Fluxus
6. Roots & Weather
7. Luxus ***
[ *** Anspieltipps ]
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