Cd-Besprechung
Leserwertung: 14.7 Punkte
Stimmenzahl: 3
Wow! Die Mainzer Black Metal/ Death Metal Band Nocte Obducta produziert mit ihrem endgültig letzten Album einen würdigen Abschluss ihrer Karriere.
Einerseits steht das Album für den Stinkefinger, der allen gilt, die während der Bandgeschichte kontinuierlich am Sound oder dessen Veränderungen rumgemäkelt haben. Denn wenn man sich als Band nicht auf ein Genre festlegen will, dann hat man dafür im Normalfall gute Gründe. Dummerweise sind die Mäkelstimmen irgendwann dermaßen laut geworden, dass Gitarrist und Sänger Marcel keine Kraft mehr hatte, das Projekt weiter bestehen zu lassen.
Andererseits ist das Album auch die Brücke zum Phönix Dinner auf Uranus, dem aus Nocte Obducta entstandenen Projekt, mit dem die Band einen Neuanfang wagen möchte.
Nocte Obducta wurde 1995 unter dem Namen Desîhra in Mainz gegründet. 2006 gab die Band bekannt, sich nach der Fertigstellung des achten Albums "Sequenzen einer Wanderung" aufzulösen. Als Grund für ihre Auflösung nannte die Band auf ihrer Homepage unter anderem die mangelnde Akzeptanz ihrer musikalischen Entwicklung. Nachdem die Band ihr Ende bekannt gab, kam es auch zu Unstimmigkeiten mit der Plattenfirma und dem Produzenten, wodurch die Arbeiten am letzten Album bis auf weiteres unterbrochen wurden.
Eine ganze Weile hat dadurch die Fertigstellung des Rundlings „Sequenzen einer Wanderung“ in Anspruch genommen, mehr als 2 Jahre um genau zu sein. Aber: was lange währt wird endlich gut. Um nicht zu sagen sehr gut!
Spärlich mit Gesang bestückt, dafür mehr auf intelligente ruhige Gitarrenkläge und zurückhaltende Drums bauend, stellt das Werk einen Rückblick auf alles bisher Geschaffene dar. Experimentelles löst immer wieder klassisch Rockiges ab und vereint sich so zum aktuellen Nocte Sound, auf den viele so lange gehofft haben. Ausschnitte von Telefonaten oder kurze Passagen mit Sprechgesang bieten zusätzliche Abwechslung. Das gesamte Album besteht aus nur 2 Tracks ABER diese sind durchaus sinnvoll nochmals strukturiert. So birgt der 22 Minuten lange Track I 12 Songs und Track II nochmals 9 Songs. Man wird also durch das Werk geleitet, um es ganz so zu hören, wie Nocte Obducta es geplant haben. Die Grundstimmung auf „Sequenzen einer Wanderung“ ist ehrlich, melancholisch und emotional. Ein Abschied, wie ihn jeder nachvollziehen kann, weil sich wohl jeder schon einmal zwangsläufig von irgendetwas verabschieden musste. Die ruhigen, ausladenden Keyboardsequenzen malen das Bild einer Nebeltraumwelt, durch die man geleitet wird und in der man durch etwas schnellere und härtere Klänge gewirbelt wird, ohne sich ihr aber entziehen zu können. Man taucht ab, in die Welt von Nocte Obducta und wird für die Länge des Albums gefesselt und entführt. “Sequenzen einer Wanderung” zaubern eine atemberaubende Athmosphäre, in die man sich gern flüchtet, um die Welt für einen Moment zu vergessen.
Langjährige Fans aufgepasst: Ich habe ich mir sagen lassen, dass wer die musikalische Geschichte der Band genauer kennt, einiges wiedererkennen wird. So sollen die „Sequenzen“ die Geschichte der Band erzählen und einige Erninnerungen wach werden lassen...
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den „Sequenzen“ um eine Art musikalische Brücke zur Nachfolgeband Dinner auf Uranus, wer also von „Sequenzen einer Wanderung“ ebenso begeistert ist, der sollte die Ohren aufhalten für Dinner auf Uranos.
13 Punkte (von max. 15)
Conny König, 04.12.2008
TRACKLIST
Track I:***
Ende
Über wind´ge Wiesen
Oktober
Wald/Route: Erde-Uranos
Ein Abend im Dezember
Zu fernen Ufern
Herbstlaub
Im Sonnensturm
Nebel-I
Wanderung/Für Syd
Der Nussbaum
Allein
Track II:***
Nebel-II
Kind der kalten Nebel
Es bersten Brücken hinter mir
Januar/Vorbei an Ruinen/Spuren im grauen Schnee
Desihra (Repise zu fernen Ufern)
Bei den Feuern
Die schwindende Glut
Welch finstere Kaschemme
Im Dunkel
[ *** Anspieltipps ]
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