Cd-Besprechung

Modey Lemon - Thunder & Lightning

Modey Lemon

Thunder & Lightning

Mute (EMI)
  Vö: 17.05.2004

Bewertung:  11 Punkte
Leserwertung:  14.3 Punkte
Stimmenzahl: 4

Ein Rock´n´Roll-Trio aus Pittsburgh, Pennsylvania begibt sich auf die Pfade der Mythologie und Magie und zaubert ein interessantes Stück Rockmusik aus dem Handgelenk. Bei Modey Lemon, vor vier Jahren als Duo gestartet - der Name sollte den pompösen Namen von Emo-Bands satirisch entgegentreten - handelt es sich mittlerweile um ein Trio, da Produzent Jason Kirker der fehlende dritte Mann des Duos zu sein schien. Damit kann man auch gleich sämtliches Schubladendenken über solche Duos (White Stripes lassen grüßen) über Bord werfen und sich der Musik zuwenden, über die zu berichten sich lohnt, da sie sich fernab vom restlichen Rockertum unserer Zeit abspielt. Mit der Rot-Weißen Zweierband hat der Rock´n´Roll von Modey Lemon nämlich nicht viel zu tun. Der Drummer, Paul Quattrone orientiert sich bei seinem Schlagzeugspiel eher an jazzigen Rock-Heroen à la Keith Moon oder Mitch Mitchell. Mit voller Leidenschaft und Wucht haut der Drummer auf seine Trommeln und Becken ein und gibt dem Sound von Modey Lemon eine ganz eigene Atmosphäre und natürlich Beat&Power zugleich. Sänger und Gitarrist Philander Boyd erzählt Geschichten und Mythologien aus düsterem Humor, skurrilen Situationen und übernatürlichen Phänomenen. Sein Gitarrenspiel klingt mal nach düsterer Kirchen - Orgel, dann wieder hart und rau aus dem Hinterhof klingend und ist dermassen komplett, dass keine Langeweile aufkommen kann. Jason Kirker hingegen scheint die optimale Ergänzung zu sein. Denn er hilft da mit seinen Gitarren-und Noisesounds aus, wo sie gebraucht werden bzw. hilft mit, die Songs in einen interessanten musikalischen Rahmen zu bringen - wie der Strich unter der Überschrift. Blues, Jazz, Garage und Punk-Rock treffen sich zur Messe in düsteren, engen Räumen. Experimenteller Rock´n´Roll ist das, der teils komplexe Strukturen als auch kraftvolle Passagen beeinhaltet. Die Musik von Modey Lemon hat auch eine interessante Herkunft, glaubt man Erzählungen des Sängers Phil, dessen Vater in den 1960er Jahren in einer Garagenrockband sang. "Wir sind sicherlich beeinflusst von der Plattensammlung meines Vaters, dem dunklen Humor der Cramps, der Dichtkunst von den Doors, experimentelle Anleihen von den Silver Apples, Suicide und Sun Ra. So haben wir anfangs auch Synthesiser, Oszillatoren und Zufalltongeneratoren für wirklich exotische Sounds benutzt. Wir schrieben am Anfang Songs rund um Synthesiser, böse Wissenschaftler und kranke Sci-Fi Geschichten. Wir waren schon immer der Rock-Musik zugewandt und haben auch immer Rock-Musik gemacht. Aber wir wollten nie zu einer Definition passen, die besagt wie der Rock´n´Roll sein sollte."
Nimmt man diese Aussage und vergleicht die Musik von Modey Lemon, lässt sich ganz gut nachvollziehen, wie die Band zu dem Punkt gelangen konnte, an dem sie jetzt ist. Modey Lemon sind nicht vergleichbar mit irgendeiner Band unserer Zeit. Somit ist das Ziel erreicht worden, nicht in eine Schublade zu passen. Ob diese Art von Musik aber von einem breiten Publikum Zuspruch finden kann ist eher unwahrscheinlich. Aber das ist es ja gerade was den Zeitgeist der Innovation und Unabhängigkeit ausmacht und unser Musikverständnis in der letzen Dekade geprägt hat.

11 Punkte (von max. 15)

Benjamin Großmann16.05.2004

TRACKLIST
1.Crows
2.Thunder + Lightning
3.Predator***
4.Enemy
5.Poisonous Ink Clouds
6.The Other Direction
7.Electronic Sorcerer
8.Tongues (everybody´s got one)
9.Ants In My Hand***
10.Gemini Twins
11.Black Flamingos***
[ *** Anspieltipps ]

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