Cd-Besprechung
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Bereits seit einigen Jahren erfreuen sich Hörspiele wieder einer deutlich zunehmenden Beliebtheit. Vielleicht liegt das daran, dass die Generation, die seinerzeit mit den Abenteuern von z.B. den Fünf Freunden, den drei ??? oder Hui Buh aufgewachsen ist, nun selbst die Elterngeneration stellen und sich bei der Unterhaltung ihres Nachwuchses getreu dem Motto "Was damals für mich gut war, kann für meinen Sohn / meine Tochter auch nicht verkehrt sein" wieder an die Helden ihrer eigenen Kindheit / Jugend erinnern.
Neben der Renaissance dieser z.T. schon sehr alten Hörspielreihen schaffen es aber auch immer wieder neue Formate, sich erfolgreich im Markt zu positionieren. Eines dieser neuen Formate ist die Gruselkabinett-Reihe, die sich vornehmlich an jugendliche bzw.
erwachsene Hörer richtet. Anders als die meisten Formate, die in der Regel um einen bzw. mehrere feste Charakter(e) aufgebaut sind, beschreitet die Gruselkabinett-Reihe andere Pfade und vertont mit jeder Folge ein anderes Buch bekannter Autoren wie z.B. Edgar Allen Poe ("Der Untergang des Hauses Usher", "Die Maske des roten Todes") oder H.P.
Lovecraft ("Berge des Wahnsinns", "Der Tempel"). Nun, mit Folge 50 - was den o.a. Begriff des "neuen" Formats somit ein wenig relativiert - haben sich die Macher Oscar Wildes-Klassiker "Das Gespenst von Canterville"
vorgenommen.
Die Handlung ist schnell erzählt: Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis lässt sich mit seiner Familie im englischen Schloss Canterville nieder, das er zuvor gekauft hat, wobei er sämtliche Warnungen des Vorbesitzers vor einem dort umhergehenden Gespenst ignoriert hat. Dieses ist natürlich nicht schuldlos in seine Lage gekommen, sondern hat zu Lebzeiten seine Frau ermordet. Fortan war es dazu verdammt, die Lebenden in den Gemäuern des Schlosses heimzusuchen, bis es schließlich seine Erlösung finden würde. Doch das Gespenst ist ein ziemlich trauriger Vertreter seiner Art und beisst sich an der Familie Otis die Zähne aus, da deren Mitglieder sich einfach weigern, an Gespenster zu glauben. Stattdessen wird es ein ums andere Mal Opfer der Streiche der jüngsten Otis-Kinder. Einzig die Tochter des Hauses, Virgina, hat Mitleid mit dem Geist und hilft ihm dabei, seine ewige Ruhe zu erlangen.
So weit zur Story, kommen wir zur Umsetzung. Hier hieß das Motto wohl: "klotzen, nicht kleckern". Denn unter den Sprechern finden sich zahlreiche bekannt Stimmen wieder wie z.B. Eckart Dux (u.a. deutscher Synchronsprecher von Anthony Perkins oder George Peppard, Sprecher von Flitze Feuerzahl) oder Jan Panczak (u.a. deutscher Synchronsprecher des Kyle Broflovski aus South Park) sowie die Schauspielerin Gudrun Landgrebe. Auch die athmosphärische Musik und der Sound an sich lassen wenig Wünsche offen. Nur: wer hier etwas wirklich Gruseliges sucht, der ist wohl falsch. Klar, es gibt genügend auf gruselig getrimmte Effekte, aber eigentlich hat das Hörspiel mehr den Charakter eines Kindergeburtstages als einer Gruselgeschichte. Die empfohlende Altersfreigabe (14 Jahre) kann ich hier jedenfalls nicht ganz nachvollziehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist der etwas schleppende Anfang, denn es dauert schon einige Minuten, bis die Story schließlich Fahrt aufnimmt. Auch die beiden jüngsten Otis-Kinder wirken hier und da ein wenig unpassend, da sie häufig synchron sprechen oder aber einer einen Satz anfängt und der andere diesen schließlich nach zu Ende bringt. Last but not least legt das Drehbuch auch recht viel Wert darauf, die misslungenen Spuckereien des Gespenstes in aller Ausführlichkeit zu erzählen, wobei hingegen der aus meiner Sicht wichtigste Part, nämlich die Erlösung des Gespenstes dann plötzlich hoppla-hopp geht, so dass das das Hörspiel zu einem relativ abrupten Ende kommt.
Fans der Reihe werden das vermutlich anders sehen, aber aus meiner Sicht gibt es andere Gruselserien, die deutlich mehr Atmosphäre haben. Zur reinen Unterhaltung ist "Das Gespenst von Canterville" zwar absolut geeignet, aber wenn mit gruselig geworben wird, dann sollte es auch zumindest ansatzweise gruselig sein. Und genau an dieser Stelle versagt der Silberling grandios. Wen das nicht weiter stört, der fährt hier sicherlich gut.
9 Punkte (von max. 15)
Jürgen , 27.03.2011
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