Cd-Besprechung
Leserwertung: 15.0 Punkte
Stimmenzahl: 1
Kieler Woche 2008: Nach Kettcar und Blackmail spielen Caracho. Da ich mich dem beinahe unmöglichen Unterfangen widme aufs Klo zu gehen und dabei auch noch Freunde treffe, verpasse ich letztere. Danach ärgere ich mich, denn jeder schwärmt davon, wie geil Caracho "Party gemacht" hätten ("Die hatten ne Feuerspuckerin im Latex-Katzenkostüm!"), und die Breakbeats, die aus der Ferne an mein Ohr drangen, konnten sich auch sehen bzw. hören lassen. Also her mit dem Album. Und gleich wieder raus damit. Denn was hier vom Stapel gelassen wird, ist in literarischer Hinsicht ein Manifest des Stumpsinns. Zeilen, die ich und meine Freunde damals in der Mittelstufe gerne als "Gehirnschleim" bezeichneten. Ihr in Norddeutschland allgegenwärtiger Hit "In Hamburg sagt man jaja" bildet mit seiner gehaltvollen Kernaussage (nämlich die, dass man in Hamburg kein Weizenbier trinken darf) noch die lyrische Speerspitze des Albums.
"Du bist meine Katze/reich mir deine Tatze/komm ma' lecker bei mich bei/Kätzchen komm herbei" - so siehts aus. Auf Albumlänge. Dabei nie die platte, anzügliche Doppeldeutigkeit vergessen ("Lass uns Bambi spielen"). Wem könnte so etwas gefallen? Leuten, die nicht mal Kartenlesen im TV für Abzocke halten? Pubertierenden Teletubbies? In jedem Fall Leuten, die sich betäuben bevor sie die Tanzfläche entern. Nicht dass wir uns hier falsch verstehen: Lyrische Großtaten in der Popmusik sind für mich zwar etwas schönes, aber auf keinen Fall ein zwingendes Merkmal für Qualität. Diese Reime verursachen allerdings körperliche Schmerzen ("Dann legt sie los/und mir wird ganz schlecht/diese Frau hats drauf/jetzt mal ernst/jetzt mal echt"). Die musikalische Untermalung dabei ist solide, ein paar Breakbeats und bratzende Synthesizer, dabei immer in angemessener Geschwindigkeit. Freuen kann man sich darüber allerdings nicht lange, wenn dabei die Punchline des Soulklassikers "I Got The Power", zu - kreativ - "Agathe Bauer" verwurstet wird.
Wenn mans bis zu Track 7 schafft, hört man Caracho "Ach ich weiß auch nich/wie, du auch nich?" schmettern. Nee, ich auch nich. (Track 8 heißt übrigens "Schwing dein Ding"). Deichkind auf Schützenfest-Niveau. Bleibt noch die Hoffnung, dass Caracho wirklich eine so gute Liveshow abliefern wie mir von einigen Seiten versichert wurde, ich würde mich gerne davon überzeugen lassen. Und wenn es mir gefällt, nehme ich mir fürs nächste Konzert auch 5 Minuten Zeit um die Texte des kompletten Albums auswendig zu lernen. Mit "We want sex and drugs and football" fange ich an.
3 Punkte (von max. 15)
Benedikt Ernst, 04.10.2008
TRACKLIST
1. Schwarze Katze
2. In Hamburg sagt man JaJa
3. Bambi
4. Herzensbrecher
5. Bis einer heult
6. Agathe Bauer
7. Ach, ich weiß auch nicht
8. Schwing dein Ding
9. Sex, Drugs and Football
10. Sucker
11. Blues im Blut
[ *** Anspieltipps ]
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