Special
Panic on the streets of København (4)
Abschied mit BARONESS -
Da wars auch schon wieder vorbei mit dem Abenteuer Kopenhagen. Die Stadt und ihre Menschen waren gut zu mir, mit dem Klimagipfel im vergangenen Dezember konnte ich sogar dabei sein, als die dänische Hauptstadt für ein paar Wochen zum Zentrum der Welt wurde. Und die Konzertlandschaft erst...es waren einfach zu viele, um in aller Ausführlichkeit zu berichten. Die apokalyptische Stadionshow von Muse, das anarchische Southern-HC-Stelldichein von Everytime I Die, die erfolgsverwöhnten Dredg vor 100 verkaterten Dänen in einem Wirtshaus in Christiania und unzählige Lokalmatadoren ließen kein Tanzbein still stehen. Glücklicherweise kam das beste wirklich erst zum Schluss.
Schon seit Wochen hatte ich die Karte, zählte die Tage bis BARONESS endlich Station machten. Ihr blaues Album war in meinen Augen ein Meilenstein und zweifellos das beste Album, das 2009 zu bieten hatte. Die Dänen sahen es scheinbar ähnlich, denn im Vergleich zu den durchaus etablierten Dredg im Dezember waren locker doppelt so viele Zuschauer anwesend. Sie sollten zunächst zwei ganz vorzügliche Vorbands zu sehen bekommen. RISING aus Kopenhagen spielten extrem schweren Stonerrock und hatten starke Vocals, als würde good old Hetfield bei DOWN singen. Danach kamen NEBRA aus der Schweiz, eine instrumentale Post-Hardcore Band, die es auf beeindruckende Art und Weise schaffte, ohne Mikrofon 45 Minuten lang für ausgezeichnete Unterhaltung zu sorgen. NEBRA sind fertig, der Vorhang mit den gigantischen Silhouetten biertrinkender Frauen zieht sich wieder zu. Langsam werde ich hibbelig, immerhin werden große Erwartungshaltungen am Ende eher selten befriedigt. BARONESS schafften es. John Dyer Baizley ist ab jetzt mein Maß für Bühnenpräsenz. Ein Berg von einem Mann, der in seiner Freizeit am liebsten Bäume aus- und Telefonbücher zerreißt, und dabei doch so wunderbare Riffs spielen kann. Die Gitarrenduette mit dem zweiten Gitarristen waren schon beinahe unheimlich in ihrer Perfektion. Und dann seine mächtige Stimme, die alles niederzubrennen vermag. Hinter dem gewaltigen Bart reißt er seinen Mund dermaßen weit auf, dass man einfach nicht anders kann als an wilde Raubtiere auf der Jagd nach Frischfleisch zu denken. BARONESS lieferten die perfekte Kombination aus Progressivität, Komplexität, Eingängigkeit und Härte, ohne jemals wirklich böse zu sein. Im Gegenteil: Songs wie "The Gnashing" erzeugten wahrhaftige Weltumarmungs-Momente. Keine sentimentalen Momente, eher solche, in denen man seine Freude so laut es geht hinausschreien möchte. Sie spielen das komplette rote und das komplette blaue Album, die Songs fließen ineinander, vom Intro bis zum Outro ist alles perfekt durchdacht, jede Gefühlslage wird bedient. Es gibt keine Zugabe, es wird auch keine gefordert. Es würde schlicht nicht passen, was jedem Anwesenden bewusst ist.
Ich hätte gerne eine Zugabe von Kopenhagen, die gibt es leider auch erstmal nicht. Aber hey, ich muss zugeben dass ich die norddeutschen Punkklitschen ernsthaft vermisst habe...
Benedikt Ernst, 03.02.2010
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